Ley Lines / Ley Linien

Alfred Watkins (1855 - 1935) ist es zu verdanken, dass sich heute wieder immer mehr Menschen in Europa mit der Geomantie beschäftigen. In langjährigen Studien stellte er gewisse Regelmäßigkeiten der Landschaftsstrukturierungen seiner Heimat England fest, die seit Beginn der rationalen Aufklärung zunehmend in Vergessenheit geraten waren. Diese Strukturierungen nannte er Leys. Heute ist der Ausdruck Ley Lines gebräuchlich. Diese Ley Lines finden sich als zentrales Thema in der menschlichen Besiedelungsgeschichte und reichen mit ihrer Geschichte tief in die Wurzeln von Atlantis und Lemuria.

 

Definition des Begriffes Ley Lines:

Dies sind quer durch die Landschaft verlaufende gerade Linien, die durch eine Reihe von Kultplätzen, heiligen Stätten oder besonderen Punkten gekennzeichnet sind. Ley Lines können einfach durch aufeinander ausgerichtete Kultstätten oder Heiligtümer angedeutet werden, aber auch wie oft in England teilweise oder ganz durch sehr alte Fragmente eines geraden Königsweges erkennbar sein.

Alfred Watkins hatte eine sehr klare Vorstellung von den Ley Lines. In seinem Buch "The Old Straight Track" beschreibt er sie wie folgt: "Stellen Sie sich eine Feenkette vor, die sich, soweit das Auge reicht, über die Bergspitzen hinzieht und die hohen Plätze der Erde auf Graten, Böschungen und Anhöhen miteinander verbindet. Visualisieren Sie dann eine Erhebung, einen runden Erdwall oder eine Baumgruppe, die auf diesem hohen Punkt gepflanzt wurde, und andere weithin sichtbare, vom Wasser umgebene Erhebungen im Tal. Dann große, aufrecht stehende Steine, die in Abständen hingestellt wurden, um den Weg zu bezeichnen, den tief eingeschnittenen Pfad auf einer zu einem Berggrat hinauf- oder zu einer Furt hinunterführenden Böschung, der sich deutlich am Horizont abzeichnet. Auf einem Pass ist eine Straße, weithin als Kerbe sichtbar, tief in den höchsten Punkt des Berggrates eingeschnitten. Mancherorts deuteten Leuchtfeuer an den beiden Enden des Weges seinen Verlauf an. Am Weg angelegte Teiche oder zu blitzenden Flächen gestaute Flüsse spiegelten die traditionell wenigstens einmal im Jahr angezündeten Leuchtfeuer wider, um den Verlauf des Pfades deutlich erkennbar zu machen, all dies genau entlang der Visier-Linie."

Bewohnern des britannischen Raumes ist der Begriff "Feenkette" als Wegstrecke, die von Feen immer wieder begangen wird, durchaus vertraut. Die Feen sind auch heute noch im alten Sagengut der einstigen Urbevölkerung verhaftet. Für diese war die gesamte sie umgebende Welt mit Elfen, Feen, Gnomen und Trollen belebt. Die Entsprechungen im kontinentaleuropäischen Raum sind Baumgeister, ebenfalls die Elfen, die Weiße Frau, Zwerge, Wichtel und Heinzelmännchen.

Alfred Watkins hielt die Ley Lines für Überreste alter Handelswege, die in der Jungsteinzeit entstanden, als System immer mehr erweitert wurden, und erst nach der römischen Besetzung Englands langsam verfielen. Im Jahr 1923 nutzte er die Möglichkeit, um bei Kanalbauarbeiten in Hereford einige Ley Lines auf seiner Karte zu überprüfen. Er fand tatsächlich an den vermuteten Stellen in etwa 1 m Tiefe eine kopfsteingepflasterte Straße.

Mit heutigen genauen Messmethoden lassen sich Veränderungen des Magnetismus und der Gravitation auf Ley Lines nachweisen.

Die zunehmende Beweisführung der Ley Lines in allen Erdteilen weist darauf hin, dass früher einmal tatsächlich ein Netz über die ganze Welt gespannt war. Der eigentliche Zweck dieses Systems bleibt indessen ein Geheimnis. Auf jeden Fall entstand durch die korrekte geographische Ausrichtung der Kultzentren eine Kraft, die das menschliche Leben auf eine uns heute nicht mehr vorstellbare Art positiv veränderte. Alfred Watkins meint in seinem Buch "The Old Straight Track": "Ich glaube, dass Ley Leute, Priester, Astronomen, Druiden, Barden, Magier, Hexen, Wahrsager und Eremiten, alle mehr oder weniger verbunden waren durch einen einzigen Faden von allem Wissen und Macht, so degeneriert dieser am Ende auch geworden sein mag."

Die meisten Forscher, die sich intensiv mit der Geomantie beschäftigen, sind sich darüber einig, dass es sich hierbei um den verschlüsselten Code einer frühen mystischen Wissenschaft handelt, die die Existenz von Energiekanälen anerkannte, sowie deren Rolle in, auf und über der Erde, auch in Bezug auf Menschen, Tiere, Pflanzen und Gestein.

Wie der menschliche Körper viele Meridiane und pro 2 cm Hautoberfläche mindestens 4 Akupunkturpunkte hat, existiert auch auf der Erde eine Unzahl von Kraftplätzen und damit auch der Ley Lines.

 
Geomantische Ausrichtung von Kirchen und Klöstern:

Viele Kirchen wurden über alten keltischen Heiligtümern erbaut. Die durch diese verlaufenden Kraftlinien wurden von wissenden Baumeistern in das Werk miteinbezogen.

Die Mitglieder der Zunft der Baumeister gehörten oft einer in ganz Europa anzutreffenden Vereinigung an, den Freimaurern. Damals waren dies tatsächlich im wortwörtlichen Sinn Freie Maurer. Sie stellten an ihre Zunftgenossen sehr hohe ethische Anforderungen und bewahrten gegenüber anderen Berufsgruppen Stillschweigen über ihre besonderen Kenntnisse. Ihr Wissen gaben sie lediglich an die Mitglieder der Bruderschaften weiter. Dadurch erklärt sich auch, dass so viele alte Bauten noch besonderen Regeln unterliegen, die den heutigen Techniken fremd sind oder von ihnen durch die Ausbildung nach rein technischen Gesichtspunkten abgelehnt werden.

Den alten Meistern ist es so gelungen, die im Kirchenbereich verlaufenden Strahlungen sinnvoll zu nutzen und zu kanalisieren, ohne ihre optimale Wirkung zu beeinträchtigen. Das fängt mit dem richtigen Setzen der Kirchenmauern an und endet bei den Bankreihen für die Gläubigen. Demzufolge wurden die Beichtstühle auf "Beredsamkeitslinien" positioniert, der Kanzelbereich über einer rechts drehenden Hartmannkreuzung, um den Prediger bei der Formulierung seiner Gedanken zu unterstützen. Am Hochaltar findet sich die Kumulierung aller für den Gottesdienst positiven Aspekte, um dem Priester die Möglichkeit zur Weitergabe der göttlichen Kraft an die Gemeinde zu geben. Diese Kirchen besitzen eine ähnlich angenehme Ausstrahlung wie die alten Marienheiligtümer, z. B. Mariazell, bevor der große Touristikboom einsetzte. Wir alle haben das erfühlt, in ihr Kraft geholt, und uns dort sehr gut regenerieren können.

Hier wurde uns veranschaulicht, was eine Kraftlinie bewirken kann. Wie stark sich diese Kraft aufzubauen in der Lage ist, wird uns in den nicht ohne Grund berühmten Wallfahrtskirchen und Kathedralen, die auf den uralten Pilgerwegen liegen, vermittelt. Als Beispiel sei hier die Kathedrale von Chartres im Südwesten von Paris angeführt.

 

Brunnen:

Die meisten Brunnen waren den Erdmuttergottheiten geweiht: Wasser, das Blut der Erde. Alle berühmten Wallfahrtsorte haben einen Bezug zum Element Wasser und sind fast durchwegs über heiligen Quellen errichtet.

In Niederösterreich finden sich oft Quellen von größerer oder auch geringerer Ergiebigkeit, die aus dem Waldboden treten, und als "Bründl" bezeichnet werden. So gibt es in Niederösterreich viele Marienbründl, wo auch bei größeren Trockenperioden das Wasser zumindest tropfenweise austritt und die Bevölkerung stets für frischen Blumenschmuck bei der Marienstatue sorgt.

Es existieren noch Überlieferungen von Brunnenfesten, die vor allem an Pfingsten, dem lieblichen Fest, wie sein Beiname poetisch lautet, gebunden waren. Diese Feste wurden bei Quellen, die in der Regel in der Nähe von Kapellen oder auch geweihten Bäumen lagen, gefeiert. Die betreffenden Quellen wurden als Pfingstbründl oder Heiligengeistbründl bezeichnet.

Als Brunnenfest kann man auch das Brunnenräumen bezeichnen. Das Wasser dieser Brunnen wurde mitunter schon im zeitigen Frühjahr dringend benötigt, wenn der Schnee im vorherigen Winter nicht besonders üppig ausgefallen war. Dann versuchte man den unterirdischen Wasserzulauf anzuregen, indem man die Brunnen dem Brauch gemäß reinigte.

Im Ort Rausmanns bei Zwettl im Waldviertel findet sich eine Nachricht aus dem Jahre 1659 über eine derartige Brunnenreinigung. Ihr zufolge sollen jeweils sechs zwölfjährige Mädchen in den Brunnen gestiegen sein und diesen gereinigt haben, wenn Regen notwendig war. War der Wasserstand des Brunnens tief, sollen sie bis zum in der Tiefe steckenden Taufstein gekommen sein. Diese Nachricht soll mit einer fast sagenhaften Überlieferung von drei adeligen Stifterinnen verbunden sein

Im Mittelalter stellte man diese Mädchenschaften auch unter den Schutz der drei heiligen Jungfrauen Katharina, Margareta und Barbara. Diese stellen nichts anderes dar als die christianisierte Form der dreigestaltigen Muttergöttin der Kelten. Es gibt Hinweise, dass es sich bei den beschriebenen Bräuchen um Rudimente der Initiationsriten für keltische Priesterinnen handelt.